Raimund Punke

Mitgliederversammlung: Niederschlagsdefizit ist besorgniserregend

„Wir befinden uns immer noch in einem Niederschlags-Defizit gegenüber dem Durchschnitt der Jahre“, so der Kreisvorsitzende Raimund Punke auf der Mitgliederversammlung.

Insbesondere der Monat März mit nur 4 Millimetern Regen war für die Landwirte besorgniserregend. Punke sprach von durchschnittlichen Ernteergebnissen.

Aktuell seien die Landwirte bei der Herbstaussaat und in der Endphase der Ernte.

Jedoch stellen die geringen Marktpreise und die hohen Produktionskosten eine betriebswirtschaftliche Herausforderung dar.

Die Viehbestandserhebung spiegelt auch für unseren Landkreis den langfristigen Abbau der Tierbestände wider.

Der Rückgang im Rinderbereich ist deutlich an den zunehmend viehlosen Weidekomplexen zu sehen, so Punke.

Weiter führte er aus, dass der Betrieb von Bestands-Biogasanlagen nicht vollumfänglich gesichert sei und dass das nun endlich geltende Biomassepaket höhere und kostenintensivere Anforderungen an die Flexibilität von Biogasanlagen beinhaltet.

Bei der Bundespolitik sei der von den Landwirten geforderte Politikwechsel nur in Ansätzen erkennbar. Viele Themen sind offen, um die heimische Wirtschaft gezielt zu entwickeln.

Positiv ist die Wiedereinführung der Agrardieselrückerstattung und das Verschwinden der Stoffstrombilanz.

Die Planungen der Bundesregierung für den Agrarhaushalt im Bundeshaushalt 2026 hat der Deutsche Bauernverband scharf kritisiert, so der Vorsitzende.

In seinen Ausführungen zur Arbeit des Kreisverbandes erwähnte er u.a. die Allgemeinverfügung zur Wasserentnahme, den Süd Ost Link Plus, den Landesentwicklungsplan, den regionalen Entwicklungsplan, die Aktivitäten bei der Nachwuchsgewinnung und die Mitarbeit in verschiedensten Beiräten im Landkreis.

Die Landwirtschaft wird immer ein dynamischer und biologischer Prozess sein, legte Punke anhand von Beispielen dar.

Durch den Ausbruch der Maul- und Klauenseuche in diesem Jahr brachen binnen eines Tages nahezu alle Exportmärkte für Fleisch- und Milchprodukte in Drittstaaten weg.

Die wirtschaftlichen Folgeschäden der Blauzungenkrankheit machen Sorgen.

Es treten immer wieder Fälle von Afrikanischer Schweinepest und ganz aktuell der Geflügelpest auf.

Die Ausbreitung der Schilf-Glasflügelzikade kann sich zu einer ernsthaften Bedrohung im Kartoffel- und Zuckerrübenanbau entwickeln.

„Wir müssen gemeinsam verlässliche und wirtschaftsorientierte Politik an unserer Seite einfordern“, so das Fazit des Kreisvorsitzenden.

 

Foto und Text: A. Jacobs, Bauernverband

Dr. Antje Birger: Dem Flächenverlust entgegenwirken

„Die Bundesregierung hat mit dem EEG 2023 einen rigorosen Ausbau der erneuerbaren Stromerzeugungsanlagen mit dem Ziel der erneuerbaren Vollversorgung bis 2045 beschlossen“, so Punke auf dem Kreisbauerntag.

Bei der Umsetzung wird der Teufel im Detail liegen, betonte er mit Blick auf die Studie des Thünen-Institutes zum Verlust von Agrarflächen bis 2030.

Der in der Studie bezifferte Flächenverlust ist für die Landwirtschaft enorm hoch.

Auch in unserm Landkreis stehen beispielsweise Freiflächen-Photovoltaikanlagen, Stromtransportleitungen, straßenbegleitende Radwege und Straßenbauplanungen an.

Gesetzlich vorgeschrieben muss jeder Eingriff bewertet und im Naturraum ausgeglichen werden.

Nicht selten gehen dabei wieder landwirtschaftliche Flächen verloren.

Das es Lösungen gibt, den Ausgleich verlustarm und landwirtschaftsnah zu gestalten, legte Dr. Antje Birger von der Stiftung Kulturlandschaft Sachsen-Anhalt, in ihrem Vortrag dar.

Ziel und Aufgabe der Stiftung ist es, Acker- und Grünland in Kooperation mit Landwirtschaftsbetrieben ökologisch aufzuwerten, um dem sekundärem Flächenverlust zu minimieren.

Die Landwirtschaft bietet hier vielfältige Alternativen über produktionsintegrierte Maßnahmen bis hin zur Flächenentwicklung über die „Stiftung Kulturlandschaft“.

Sie erläuterte das Prinzip von Ausgleichs- und Ersatzberechnungen und stellte den Landwirten Beispiele für die produktionsintegrierte Kompensation als mögliche Alternative vor.

Seit 2016 ist der Kreisverband Mitglied in der Stiftung Kulturlandschaft Sachsen-Anhalt.

Foto und Text: A. Jacobs, Bauernverband   

Sven Borchert: Turbulente Agrarantragstellung und Blick auf Europa

Auf der Mitgliederversammlung des Kreisverbandes griff Sven Borchert, Vizepräsident des Bauernverbandes Sachsen-Anhalt e. V. die Worte des Vorsitzenden auf und unterstrich das schwierige Antragsverfahren bei GAP und AUKM in Sachsen-Anhalt.

„Die Fülle an Informationen und bürokratischen Erfordernissen hat am Ende selbst die Behörden überfordert“, so Borchert.

Er wies die Betriebe aber darauf hin, alle offenen Anträge vom ALFF abzuarbeiten,

damit im Jahr 2023 die Basisprämie gezahlt werden kann.

Punke hatte in seinem Bericht dargelegt, dass im Altmarkkreis Salzwedel 6.749 ha Ackerland und 1.488 ha Grünland zu den roten Gebieten nach Düngeverordnung gehören.

Die Forderung des Verbands zur Befreiung von den Auflagen für Betriebe, die gute N-Bilanzen vorweisen und nachweislich gewässerschonend wirtschaften, war ins Leere gelaufen.

Leider hat die Verhandlung der Klage im Rahmen des Normenkontrollverfahrens gegen die Landesdüngeverordnung vor dem OVG Magdeburg im Oktober nicht den Erfolg gehabt, den sich der Berufsstand gewünscht hat.

„Wir haben uns gemeinsam auf den Weg gemacht und gezeigt, dass wir Verwaltungsentscheidungen auch anzweifeln können“, so Borchert.

Eine Auswertung von Gutachten und Verfahren wird noch erfolgen.

Der Vizepräsident wies darauf hin, dass im kommenden Jahr die Europawahlen stattfinden werden.

Aus Europa kommen die Regeln für die Landwirtschaft und da steht einiges vor der Tür.

Beispielhaft führte er das Gesetz zur Wiederherstellung der Natur und das Gesetz zur nachhaltigen Verwendung von Pflanzenschutzmitteln an.

Auf der Arbeitsebene laufen die Vorbereitungen für die gemeinsame Agrarpolitik ab 2028, so der Vizepräsident.

Foto: Bauernverband Text: A. Jacobs