Tenor auf den Kreisbauerntag: Schluss mit dem Bild von Omas Landwirtschaft

Wir sind eine Gesellschaft mit doppelter Moral. Das sollte uns nicht erschrecken. Wir müssen es nur wissen, so die Botschaft von Professor Dr. Ulrich Nöhle auf dem Kreisbauerntag im Februar in Winterfeld.

Unter dem Titel; „(Nicht-) Akzeptanz der Nutztierhaltung – Ursachen und Handlungsempfehlungen in der medialen Überflussgesellschaft“ verstand es der Referent, Landwirten und Gästen einen symbolischen Spiegel vor Augen zu halten.

Der seit elf Jahren mit Krisenmanagement betraute Referent hatte passende Beispiele im Gepäck:

Der Umzug aus den ländlichen Gegenden in die Großstädte ist ungebremst.

In der Stadt angekommen, wird dann in bunten Zeitschriften wiederum nach der Landidylle gesucht.

Eine blühende Wiese mit einer Kuh vor einem Fachwerkhaus als Bild auf dem Milch-Tetrapack gefällt uns Käufern gut. Eine Verpackung mit dem Aufdruck eines Melkkarussell und der Verarbeitung in einer modernen Molkerei würde sich als Verkaufsschlager weniger eignen. Die doppelte Moral und dessen geschickte Nutzung in der Werbung, wurde den Landwirten und Gästen bildlich vor Augen geführt.

Nöhle zeigte auf, das kaum noch zwischen träumerischer Erwartung und Wirklichkeit unterschieden wird und somit die Akzeptanz der Nutztierhaltung ins Wanken gerät.

Die bunte Milchpackung hat keine Rechtsvorschrift verletzt, aber dennoch fühlen sich die Verbraucher getäuscht, wenn sie Bilder aus der Praxis in der Milchviehhaltung sehen.

Hier liegt schon eine Ursache, warum die Tierhaltung die Gesellschaft so verschreckt.

„Sie müssen über ihre Arbeit kommunizieren, denn wenn sie es nicht machen, machen es andere “, so der Ratschlag des Experten. Er forderte die Bauern auf, sich aktiv an der Öffentlichkeitarbeit für ihren eigenen Berufsstand zu beteiligen, um die Meinungsbildung nicht anderen gesellschaftlichen Kräften zu überlassen.

Landwirte sollten die modernen Medien ebenfalls als wichtiges Instrument nutzen und ihre Belange nicht nur in der Fachpresse beratschlagen.

„Setzen sie der Idylle von Omas Bauernhof ebenso sowie der Skandalisierung von Prozessen in der Tierhaltung die Realität aus ihrer eigenen Arbeit entgegen“, ermunterte Nöhle die aufmerksamen Zuhörer.

Text: A. Jacobs BV SAW e.V. + Foto: K.Kühn BV SAW e.V.